Es gibt soo viele Bücher…

 In Pasch halb acht, Veranstaltungen

Am 12.4.18 fand Albert R. Pasch genau die richtigen Worte: „Es gibt soo viele Bücher“. Diese Feststellung ließ die wieder so zahlreich erschienenen Besucher unserer Buchhandlung schmunzeln.
Schon bei der ersten Buchvorstellung, die einen kurzen Einblick in die ausgewählten Neuerscheinungen gewähren sollte, wurden jedoch leisere Töne angeschlagen.
Überhaupt hat die vergangene Veranstaltung eher ernste Themen aufgegriffen:

Die vom 4-jährigen Knaben Albert R. Pasch selbst miterlebte Reichsprogromnacht 1938 wurde ihm wieder deutlich vor Augen geführt beim Lesen von Boschwitz‘ „Der Reisende“ – ein Roman, der bereits 1939 zum ersten Mal veröffentlicht und jetzt wieder vom Klett-Cotta Verlag neu aufgelegt wurde.
Der jüdische Kaufmann Silbermann versucht durch Reisen seiner Inhaftierung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

In „Olga“, dem neuen Roman von Bernhard Schlink, darf der Leser die berührende Liebesgeschichte zweier sehr unterschiedlicher junger Menschen miterleben. Eine so tiefe und innige Verbindung, unvergesslich, sogar über den Tod hinaus.

„Nicht die Eigenschaften, sondern die Liebe macht, dass zwei zusammen finden.“

Im klaren Gegensatz zu diesen Büchern stand der humoristische Part Christian Latours, der den Abend durch seine beiden vorgestellten Bücher mit Humor würzte:

„Das Kaff“ wurde von ihm mit Erinnerungen aus seiner eigenen Jugend vorgestellt. Viele können sich vielleicht selbst noch an den jugendlichen Drang erinnern: raus aus dem „Kaff“, aus der Provinz, und rein ins großstädtische Studentenleben – und bloß nie mehr zurück! Doch manchmal ist der Ruf der Heimat einfach zu laut, eben so geschehen in Jan Böttchers Roman. Das Publikum erlebte einen kurzen Einblick ins Leben des Protagonisten Michael, der eigentlich nur für einen geschäftlichen Auftrag aus Berlin zurück in sein Heimatdorf reiste, aber dort so von der Gemeinschaft eingesogen wurde, dass er direkt blieb – für immer…

„Es ist nur eine Phase, Hase“ vom Autorenduo Leo & Gutsch erläutert und behandelt das Phänomen der Alterspubertät. Sehr zum Amüsement vor allem der anwesenden Damen (wir fürchten, wohl eher nicht einiger Herren) trug Latour einen Textabschnitt vor, der die Tücken, aber auch die Vorzüge der „Haarwanderung“ bei Herren im fortgeschrittenen Alter aufzeigt. Eventuelle Ambitionen des Vorlesers für eine Teilnahme bei „Germany’s Next Topmodel“ wurden jedoch direkt von Pasch im Keim erstickt.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein ganz außerordentliches Werk, welches Albert R. Pasch besonders am Herzen lag:
„Wiesenstein“, ein Roman von Hans Pleschinski, bietet einzigartige Einsichten und Zeitzeugenberichte anhand von Tagebuchzitaten Gerhard Hauptmanns. Das Buch zeigt den alternden Nobelpreisträger aus einem ganz anderen Blickwinkel. In Wohlstand umhüllt und weltvergessen versuchten Hauptmann und sein zu ihm aufblickendes Gefolge den Krieg, das Leid, das „Lästige“ zu ignorieren. Das Bombardement Dresdens 1945 war dennoch wohl ein einschneidendes Erlebnis für den Schriftsteller.

„Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“

Nachdenklich gestimmt entließen die beiden Wortführer das Publikum in den noch lauen Frühlingsabend mit einem Gruße bis zur nächsten Veranstaltung.
Wir hoffen, dass sie Ihren Lesehunger geweckt haben und würden uns freuen, Sie schon bald wieder hier begrüßen zu dürfen.

Denn Sie erinnern sich sicher: Es gibt ja so viele Bücher!

Mit herzlichen Grüßen verbleiben wir somit

Ihr Team der Buchhandlung Lohmann

Keine (Frühjahrs-)Müdigkeit vorschützen!